Schweiz & Gedichte 1838


Im Jahr 1835 führte eine weitere Reise in den Kanton Thurgau in der Schweiz, auf das Schloss Eppishausen. Hier wohnte inzwischen ihre Schwester Jenny, die seit 1834 mit dem Freiherrn Joseph von Laßberg, dem späteren Besitzer der Meersburg, verheiratet war. Aus Briefen ist bekannt, dass Droste die Schweizer Berglandschaft zwar gut gefiel, sie jedoch insgesamt von dem Aufenthalt sehr enttäuscht war. Verantwortlich hierfür war zum einen die Lage des Schlosses - im langen Winter war man hier fast ganz von der Außenwelt abgeschlossen -, mehr aber noch der Mangel an geistiger Abwechslung: Unter Laßbergs gelehrten Freunden, den Liebhabern mittelalterlicher Literatur, konnte die Autorin keine interessanten Gesprächspartner finden. Große Unzufriedenheit und starkes Heimweh sorgten dafür, dass Droste froh war, nach über einem Jahr wieder in die Heimat reisen zu können.

In literarischer Hinsicht beschäftigte sie sich in den 30er Jahren in oft mühevoller Kleinarbeit mit der Abfassung von längeren Versdichtungen, die durchaus  dem biedermeierlichen Zeitgeschmack verpflichtet waren. Zu nennen sind hier Das Hospiz auf dem großen St. Bernhard, Des Arztes Vermächtniß und Die Schlacht in Loener Bruch. 1623. Im Jahr 1838 wurden diese Texte zusammen mit einigen wenigen anderen Gedichten im Münsterschen Aschendorff-Verlag als erste Gedichtausgabe Annette von Droste-Hülshoffs veröffentlicht. An der Vorbereitung der Ausgabe war in besonderer Weise der Münsterer Philosophiedozent Christoph Bernhard Schlüter beteiligt, der in den 30er Jahren der Hauptansprechpartner der Autorin in Literaturfragen war. Annette von Droste-Hülshoff war nun gedruckte Dichterin, von ihrem Namen allerdings waren nur die Initialen auf dem Titelblatt zu lesen. Mit dem Erscheinen der Ausgabe, die weithin unbeachtet blieb, schließt sich die erste größere Schaffensphase.