Rüschhaus & Reisen


Einschneidende Veränderungen in Drostes Leben ergaben sich im Jahr 1826, als plötzlich und unerwartet der Vater starb. Der Bruder Werner übernahm den Familienstammsitz Burg Hülshoff und Annette Droste zog zusammen mit Mutter und Schwester Jenny auf den kurz zuvor gekauften Wohnsitz Haus Rüschhaus bei Nienberge. Der von dem berühmten westfälischen Baumeister Johann Conrad Schlaun an der Peripherie Münsters erbaute, nur fünf Kilometer von Hülshoff entfernte Landsitz besteht in einer Mischung aus Bauernhaus und Herrensitz. In der Abgeschiedenheit lebte Droste hier ein einfaches, zurückgezogenes und eher anspruchsloses Leben. In ihr „Schneckenhäuschen” — so nannte sie ihr Wohnzimmer — zog sie sich zurück, um zu schreiben, zu lesen, zu dichten oder einfach in den Tag hinein zu träumen. Für einige Zeit verlegte sie sich auf ihr zweites Talent, die Musik. Ihr Onkel Maximilian, Bruder des Vaters, hatte ihr bereits 1821 seine Kompositionslehre, das „Generalbaßbuch” geschenkt. Es bildet die musiktheoretische Grundlage für verschiedene Liedkompositionen und Opernentwürfe Drostes aus den 20er Jahren. Außerdem hatte sie eine gute Gesangsstimme und spielte durchaus anspruchsvoll Klavier.

In den 30er Jahren, in denen sie sich literarisch vor allem mit langen Verserzählungen beschäftigte, erweiterte Droste allmählich ihren Gesichtskreis. Sie unternahm mehrere Reisen an den Rhein, nach Bonn und Köln, wo sie meist bei Verwandten, ihren Onkels und Tanten wohnte. Hier konnte sie neue Freundschaften knüpfen, machte Bekanntschaft mit der reichen Bankiersgattin Sibylle Mertens-Schaaffhausen, in deren Haus sie auch Adele Schopenhauer, die Schwester des berühmten Philosophen, kennenlernte. Sie beteiligte sich ausgiebig am gesellschaftlichen Leben; einmal sogar hat sie am Kölner Karneval teilgenommen.