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Mit Droste im Glashaus. 21 Künstlerinnen und Künstler werfen Blicke

Intermediale Veranstaltungsreihe von September 2018 bis Oktober 2019

"Mit Droste im Glashaus" im Rüschhaus © Droste-Forschungsstelle

Projekt

Idee

»Annette von Droste-Hülshoff ist den meisten nur als adliges Stiftsfräulein mit Hang zur fein-sinnigen Poesie bekannt. Als biedermeierliches Stück unserer heimisch-regionalen Schriftkultur wurde sie über viele Generationen konserviert.

Erst seit einigen Jahren rückt auch ihre Modernität in den Fokus, werden ihre Texte neu interpretiert und mit Blick auf heutige gesellschaftliche und individuelle Herausforderungen weitergedacht – so auch im Rahmen dieser Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe, in der 21 Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Disziplinen bekannte und weniger bekannte Droste-Räume und Motive medial transformieren.

Das Projekt will den Fragen nachspüren, die auch Annette von Droste-Hülshoff umgetrieben haben: Wie gehen wir um mit dem Anderen, das uns von außen zu bedrohen scheint – und mit dem, das uns selbst innewohnt? Wie fragil ist das Haus, das wir Heimat nennen? Wer darf Grenzen überschreiten – im Flug, am Boden oder zu Wasser? Wer verbrennt sich die Flügel, verliert den Boden unter den Füßen oder versinkt in den Fluten? Was sind das überhaupt für Grenzen, die für die einen durchlässig und für die anderen wie Wände aus Stahl und Beton sind? Wie kann man Räume und (vermeintlich) Festgefügtes neu gestalten, transformieren, öffnen in alle Richtungen – ohne dass alles zerbricht oder konturlos wird? Wie lässt sich eine Ordnung überwinden, die auf (struktureller) Gewalt basiert, und ein anderes Spiel eröffnen, bei dem niemand auf der Strecke bleibt, weil mit dem falschen Geschlecht, Glauben, Pass geboren?«

Prof. Dr. Rita Morrien

Foto (1): "Jagd auf Tilla Fuchs" inszeniert von Judith Kuckart © Ralf Emmerich, Schloss Senden e.V.
Foto (2): Projekt "Mit Droste im Glashaus" auf Schloss Senden, © Droste-Forschungsstelle

Publikation

21 Künstlerinnen und Künstler werfen Blicke. Scherbensammlung. Hrsg. von Rita Morrien, Jochen Grywatsch, Christoph O. Hetzel und Martina Fleßner. Unter Mitarbeit von Claudia Ehlert und Alice D. Bleistein. – Münster: Daedalus 2019.

Annette von Droste-Hülshoff ist eine Autorin, die auch den Heutigen einiges zu sagen hat. Ihr dichterisches Werk birgt frappierende zivilisationskritische Aspekte, eine äußerst scharfsinnige Analyse der patriarchalischen Geschlechter- und Familienordnung und das hellsichtige Wissen um die Gefahren und Abgründe eines allzu eng gefassten Verständnisses von Heimat und Tradition. Die Fragilität der menschlichen Existenz und deren Lebensgrundlagen ist ein zentrales Thema ihres Schreibens.

"Mit Droste im Glashaus" lautet so auch das Motto und Programm einer dreiteiligen intermedialen Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe (9/2018 bis 9/2019), in der Künstlerinnen und Künstler aus ganz unterschiedlichen Disziplinen – Performance, Musik, Tanz, Bildhauerei, Theater, Video- und Filmkunst, Malerei – den Dialog mit der Dichterin aufgenommen haben. Dieser Band beinhaltet neben den Einführungen in die thematischen Schwerpunkte (Rita Morrien, Universität Paderborn), einem Beitrag zur Modernität und literaturwissenschaftlichen Verortung Annette von Droste-Hülshoffs (Jochen Grywatsch, Droste-Forschungsstelle der LWL-Literaturkommission für Westfalen) und einem künstlerischen Essay zum Projekt (Johannes Dreyer) eine ausführliche Bilddokumentation der Ausstellungen auf Schloss Senden, im Baumberger-Sandstein- Museum Havixbeck und am Hawerkamp 31 Münster.

Vertreten sind zahlreiche Künstlerinnen und Künstler aus der Region, Susanne von Bülow, Christoph Otto Hetzel, Ruppe Koselleck, Kirsten Mühlbach, Christiane Schöpper, Monir Nikouzinat Monfared und viele andere. Dieses inspirierende Lese- und Bilderbuch enthält außerdem unveröff entlichte Texte von drei bedeutenden Gegenwartsautorinnen, die im Rahmen von "Mit Droste im Glashaus" gelesen und inszeniert haben:  Zsuzsa Bánk, Ulrike Draesner und Judith Kuckart.

ISBN 978-3-89126-232-0

Bild:
(oben) "Mit Droste im Glashaus" im Rüschhaus © Droste-Forschungsstelle