Burg Hülshoff

Auf der elterlichen Burg Hülshoff wurde Annette von Droste-Hülshoff am 10. Januar 1797 geboren. Der Familienüberlieferung nach war die Mutter auf der zugefrorenen Gräfte gestürzt, wodruch die Frühgeburt ausgelöst wurde. Für das Überleben des Siebenmonatskindes sorgte die Amme Katharina Plettendorf aus Altenberge. Annette von Droste wuchs auf als zweites von vier Kindern von Clemens August von Droste-Hülshoff und seiner Frau Therese, geb. von Haxthausen. Erst kurze Zeit vor der Geburt der Kinder war Hülshoff wieder ständiger Wohnsitz der Familie, die ansonsten auch in der Stadt Münster residierte. In der Zeit wurde das Anwesen mehrfach umgebaut, um den veränderten Wohnansprüchen gerecht zu werden. Die Burg Hülshoff bildete in Drostes Kindheit und Jugend den Mittelpunkt eines regen geselligen Lebens, in dem zahlreiche Kontakte zu den westfälischen verwandten Adelsfamilien, Besuche und Ausflüge, eine große Rolle spielten. Hausmusik, Handarbeiten und Vorlesen waren wesentliche Betätigungen im Familienkreis, während die botanischen Vorlieben im weitläufigen Park ausgelebt werden konnten. Mit dem Tod des Vaters 1826 ging der Familienstammsitz auf den ältesten Sohn Werner über. Mutter und beide Töchter zogen in das kurze zuvor erworbene Rüschhaus um.

Das Museum

Betritt man die Gesamtanlage der Burg Hülshoff, bietet sich ein wunderschöner Anblick: eine Wasserburg mit Haupthaus und Vorburg, umgeben von einer Gräfte, eingebettet in eine idyllische, gepflegte Parkanlage. Das Familienmuseum befindet sich im Hochparterre der Hauptburg. Die Ausstellung, die das Leben in einer adeligen westfälischen Familie Anfang des 19. Jahrhunderts in den Fokus nimmt, führt durch insgesamt sechs Wohnräume. Sie vermitteln einen Einblick in den Alltag und die Lebensumstände Annette von Droste-Hülshoffs und ihrer Familie. „Die Atmosphäre in den Räumen und die Aussicht aus dem prachtvollen Gartensaal eröffnet den Blick auf den Schlossgraben und den Park und lässt das Lebensgefühl des Landadels der vergangenen Jahrhunderte erahnen“, heißt es auf der Internetseite der Burg. Individuelle Besichtigungen durch das Museum sind mittels einer 2018 neu entworfenen, etwa 40 minütigen Führung per Audio-Guide (in deutscher, englischer und niederländischer Sprache) möglich. Zudem liegt ein Heft in der Reihe "Westfälische Kunststätten" für weitergehende Informationen bereit. Es besteht auch die Möglichkeit Sonderführungen für Gruppen zu buchen. Im Anschluss an die Museumsbesichtigung bietet sich ein Besuch in der Gastronomie des Burgkellers oder der malerischen Außenplätze im Burginnenhof an.

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Haus Rüschhaus

Annette von Droste-Hülshoff zog 1826, nach dem Tod ihres Vaters, zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Jenny in das nur etwa fünf Kilometer von ihrem Geburtshaus Hülshoff entfernte Haus Rüschhaus. Das archtektonische Kleinod, das als Verschmelzung eines Münsterländer Bauernhauses mit einem dreiflügeligen Herrensitz gestaltet ist, war von dem berühmten westfälischen Barockmeister Johann Conrad Schlaun in den Jahren 1745 bis 1748 als eigener Sommersitz erbaut worden. Das ländlich-idyllische Anwesen blieb ihr gut 20 Jahre Drostes geschätzter Wohnort, von dem sie 1846 zu ihrer letzten Reise nach Meersburg aufbrach.

Im Rüschhaus entstand mit der Judenbuche ihr wohl bekanntestes Werk, aber auch Versdichtungen, Balladen, ein Lustspiel und Prosaarbeiten. Die Autorin bewohnte im Zwischengeschoß des Rüschhauses drei kleine Zimmer, die sie mit ihrer ehemaligen Amme teilte. Ihr Wohnzimmer, in das sie sich zum Schreiben zurückzog, nannte sie ihr "Schneckenhäuschen". Der zu ihren Zeiten verwilderte Nutzgarten mit Gemüsebeeten und Obstbäumen wurde in den 1980er Jahren nach den Originalplänen Schlauns, leider muss man sagen, als Barockgarten hergestellt. Damit weist der Garten, wie ihn Droste kannte und wie sie ihn in ihren Briefen als verwunschenen Landschafts- und Nutzgarten beschrieb, keine Ähnlichkeit auf. Das Haus ist bis heute unversehrt geblieben und stellt einen der eindrucksvollsten, authentisch erhaltenen Dichtersitze Deutschlands dar. Allein die Nähe der Autobahn A1 stört mitunter die Idylle.

Das Museum

Der Besuch von Haus Rüschhaus ist über eine persönlich geleitete Führung möglich, die durch die authentisch erhaltenen Wohn- und Wirtschaftsräume (Küche, Deele, Gartensaal mit Hausaltar, Italienisches Zimmer und Drostes "Schneckenhäuschen") führt. Das Führungspersonal kann auf jahrelange Erfahrung und viele Spezialkenntnisse zurückgreifen und ist auch auf Führungen mit Kindern eingestellt. Die in Teilen originalgetreue Ausstattung des Hauses mit einigen authentischen Besitztümern Drostes und ihrer Familie (Kücheneinrichtung, Kutsche, Versteinerungs- und Mineraliensammlung, Kupferstichsammlung, Vogeleiersammlung) schafft eine besondere Atmosphäre, die es den Besuchern ermöglicht, sich in die Zeit, in das Leben und die Literatur der Autorin hineinzuversetzen.

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Burg Meersburg

Die Alte Meersburg, die älteste, noch bewohnte Burg Deutschlands, geht wohl bis in das 7. Jahrhundert zurück. Die Erbauung des ältesten Gebäudeteils, des sogenannten „Dagoberts-Turms”, wird auf die Zeit des Merowingerkönigs Dagobert I. (605-639) datiert. Das mächtige Gebäude liegt majestätisch über dem Bodensee, ist gleichzeitig jedoch so am Hang gebaut, dass von der Oberstadt aus nur die Türme sichtbar sind. Der südöstliche seiner vier Wohntürme diente Annette von Droste-Hülshoff bei ihren Aufenthalten 1843/44 und 1846-48 als Domizil, während die zahlreichen Gedichte des Aufenthalts 1841/42 im damals von ihr bewohnten nordöstlichen Turm entstanden.

Drostes Schwager Joseph von Laßberg hatte die Burg im Februar 1838 als neuen Familienwohnsitz und Altersresidenz erworben. Zu einem dortigen Besuch ließ sich die „Stockmünsterländerinn”, wie sie sich selbst einmal beschrieb, erst 1841 überreden. In der Burg und dem kleinen, reizvoll gelegenen Städtchen mit seiner bürgerlichen Gesellschaft fühlte sie sich jedoch bald schon sehr wohl und genoss die Ungezwungenheit und Eigenständigkeit, die ihr hier ein viel freieres Leben ermöglichten als im familiären westfälischen Umfeld. Der erste Aufenthalt auf der Meersburg entwickelte sich - nicht zuletzt unter dem Einfluss ihres mitgereisten Dichterfreundes Levin Schücking - zu einer ihrer fruchtbarsten Schaffungsphasen.

Das Museum

In der reizvoll über dem Bodensee gelegenen Meersburg kann sich der Besucher, geleitet von zahlreichen Hinweistafeln, selbst auf den Entdeckungsrundgang machen und eintauchen in das historische Burgambiente. Zu besichtigen sind viele beeindruckende Gewölbe, Säle, Gänge, Verließe und Küchenräume, deren Ausstattung die historischen Bedingungen nachvollziehbar macht. Für Besucher mit einem Faible für das Ritterleben, und das sind natürlich auch viele Kinder und Jugendliche, bietet die Burg viele Besonderheiten. Aber auch der literarisch Interessierte kommt auf seine Kosten. Im südöstlichen Wohnturm der Burg befinden sich die Räume, die Annette von Droste zwischen 1843 und 1848 bewohnte. Hier wurden das Arbeits- und das Sterbezimmer der Autorin wieder hergerichtet und zugänglich gemacht. Ausgestellt sind eine Vielzahl von Andenken, Bilder und Werke der Autorin. Außerdem wird ein Überblick über die auf der Meersburg entstandenen Droste-Texte gegeben. Besonders im Sommer ist das Museum Anlaufziel von zahlreichen Besuchern. Neben den Droste-Interessierten, die der besondere Atmosphäre des Ortes nachspüren wollen, nutzen insbesondere auch Familien mit Kindern die Möglichkeit, eine spannende Zeit in mittelalterlicher Umgebung zu erleben.

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Fürstenhäusle

Während ihres zweiten Besuchs in Meersburg am Bodensee ersteigerte Annette von Droste-Hülshoff im November 1843 das wunderschön in den Weinbergen über der Stadt gelegene Fürstenhäusle. Leisten konnte sie sich den Kaufpreis von 400 Reichstalern für das ehemalige Rebhäuschen durch die finanziellen Mittel, die ihr der Cotta-Verlag als Honorar für ihren zweiten Gedichtband zur Verfügung stellte. Der Erwerb dieser Poetenklause, die das Fürstenhäusle für sie sein sollte, gab ihr das Gefühl, eine grandiose Grundbesitzerin zu sein, wie sie ihrer Freundin Elise Rüdiger schrieb. Ein von ihr genutzter Ort des Rückzugs und literarischen Schaffens konnte das Anwesen allerdings nicht mehr werden. Nachdem zunächst die notwendigen Renovierungsarbeiten anstanden, konnte sie ihr neues Domizil während ihres dritten Meersburg-Aufenthalts aufgrund inzwischen stark angegriffener Gesundheit nicht mehr nutzen.

1848, nach dem Tod der Dichterin, ging das Fürstenhäusle zunächst in den Besitz der Familie ihrer Schwester Jenny von Laßberg über. Später gelangte es wieder in den Besitz der Familie von Droste-Hülshoff respektive von Bothmer. 1923 eröffneten Marie und Karl von Droste-Hülshoff, Neffe der Dichterin, die unteren Räume des Hauses zuerst als Museum. Nach Verwüstungen im Zuge des 2. Weltkriegs engagierte sich Helen von Bothmer, Ehefrau von Heinrich von Bothmer, mütterlicherseits mit Droste-Hülshoff verwandt, für die Neugestaltung und Wiedereröffnung des Fürstenhäusles, die 1948 zum 100. Todestag der Autorin erfolgte. Seit 1960 steht das Fürtenhäusle unter der Verwaltung des Landes Baden-Württemberg. Es wurde 2018 umfangreich renoviert und ein neuer Veranstaltungsraum eingerichtet. Ebenso wurde die Ausstellung überarbeitet.

Das Museum

Nach etwa zweijähriger Renovierung wurde das Fürstenhäusle am 8. Oktober 2018 neu eröffnet. Die im liebvoll gestalteten Museum ausgestellten Möbel und Einrichtungsgegenstände stammen aus dem Besitz der Familie Droste-Hülshoff bzw. Laßberg und deren Umfeld. Die Wände des Hauses sind mit zahlreichen Bilder bestückt, die in die Droste-Zeit verweisen. Damals gab es im Erdgeschoss das Paradezimmer und eine Küche. Von dort aus führte eine Holzstiege ins Obergeschoss. Das dortige große Zimmer bezeichnete die Autorin als Dachshöhle (oder Schwalbennest). Im Haus zu sehen sind unter anderem Schmuckstücke, Porzellan und Teile ihrer Mineraliensammlung, außerdem Fotografien, Grafiken und Gemälde, die die Droste selbst, ihre Familie und Freunde zeigen. Droste selbst bezeichnete das Gebäude als „hübsches, massiv gebautes und bewohnbares Gartenhaus“. Die Besucher werden, so wie Droste selbst, insbesondere die Lage des Fürstenhäusles mit seiner grandiosen Aussicht sehr zu schätzen wissen. Es bietet sich von hier aus wunderschöner Blick über die Stadt, den See und die dahinterliegende Alpenkette.

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Haus Bökerhof

Der noch heute in Familienbesitz stehende Bökerhof in Bökendorf bei Brakel in Ostwestfalen ist der Stammsitz der Familie von Haxthausen und war im 18./19. Jahrhundert der Wohnsitz von Drostes Großeltern mütterlicherseits. In ihrer Kindheit und Jugend hat sich die junge Autorin hier häufig und für längere Zeiträume aufgehalten. Während ihres zweiten Besuchs kam sie erstmals mit dem Bökendorfer Kreis in Kontakt, der sich um Werner und August von Haxthausen gebildet hatte und sich mit der Sammlung von Märchen, Sagen und literarischem Volksgut beschäftigte. So lernte sie im Juli 1813 dort auch Wilhelm Grimm kennen. Einige Jahr später, 1820, wurde der Bökerhof Schauplatz der sogenannten „Jugendkatastrophe” der Droste, des durch eine Familienintrige herbeigeführten Scheiterns ihrer Beziehung zu dem Göttinger Studenten Heinrich Straube. Die hoch intelligente, selbstbewusste und vielleicht manchmal etwas vorlaute junge Autorin kollidierte offensichtlich mit der männlich dominierten Gruppe und dessen Verständnis vom erwarteten Verhalten einer Frau. Als ihre Liebe zu Straube durch Avancen eines weiteren Kommilitonen August von Arnswaldt auf die Probe gestellt wurde und sie kurze Zeit in ihrer Zuneigung verwirrt war, kündigten ihr beide Männer in einem gemeinsam verfassten Brief die Freundschaft. Die Affäre, in die auch ihre Verwandten August und Anna von Haxthausen vertrickt waren, wurde für die junge Frau zu einer mit vielerlei Demütigung verbundenen existentiellen Erfahrung. In der Folge blieb sie dem Bökerhof und ihrer dortigen Verwandtschaft über beinahe 20 Jahre fern. Erst ab 1838 kam es wieder häufiger zu Besuchen in Bökendorf, wobei sie nun jedoch im nahegelegenen Haus Abbenburg wohnte und den Bökerhof nur gelegentlich besuchte.

Das Museum

Die 1989 gegründete Bökerhof-Gesellschaft verschrieb sich vor allem dem Erhalt des Bökerhofs und der dazugehörigen Außenanlagen. Seit 1995 unterhielt sie dort über 15 Jahre ein Literaturmuseum.

Das Museum befand sich im Innern des zweigeschossigen Herrenhauses, dessen Gartenanlagen nach alten Plänen wiederhergerichtet worden waren. Ausgestellt waren hier zum Beispiel einige Kopien von Handschriften der Dichterin; im „Biedermeierzimmer” war das historische Klavier zu betrachten, an dem die Droste zusammen mit der Sängerin Madame Fennewitz im Jahr 1820 ihr einziges öffentliches Konzert gegeben hatte. Das Zentrum des Museums bildete die große historische Halle mit der Ahnengalerie der Familie Haxthausen und dem Kamin, an dem sich schon die Brüder Grimm gewärmt hatten.

Insgesamt bot Haus Bökerhof eine zwar kleine, aber reizvolle und liebevoll zusammengestellte Präsentation, die mit viel Engagement und privater Initiative betrieben wurde. Der Besucher erfuhr auf ansprechende Art und Weise viel Wissenswertes über den Bökendorfer Märchen- / Romantiker-Kreis und die Rolle, die Annette von Drostes in diesen Zusammenhängen spielte. Höchst bedauerlich, dass 2012 das Museum geschlossen und die Bökerhof-Gesellschaft aufgelöst wurden.
Haus Bökerhof befindet sich in Privatbesitz; eine Besichtigung ist zur Zeit nicht möglich.

Zum Webarchiv Bökerhof-Gesellschaft

 

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