Perdu! oder Dichter, Verleger und Blaustrümpfe

Nach dem Erscheinen der Gedichtausgabe von 1838 wandte sich Droste neuen Projekten zu. Zum ersten Mal erwähnt sie die Absicht, sich erneut mit der Gattung 'Drama' zu beschäftigen, im Januar 1839, wandte sich diesem Plan konkreter aber erst zu Beginn des Jahres 1840 zu, als das Geistliche Jahr zu einem vorläufigen Abschluss gebracht war. Dem Drängen der Haxthausischen Verwandten nachgebend, entschloss sie sich, ein Lustspiel zu schreiben. Ausführlich diskutierte sie ihre diesbezüglichen Überlegungen in Briefen an Christoph Bernhard Schlüter im April 1840, in denen sie auch ihre Lustspiel-›Theorie‹ entfaltete, nach der eine Orientierung an realen Personen ihres Umfeldes wesentlich war. Zum Stoff ihres Lustspiels wählte sie schließlich eine Handlung, die einerseits das unrühmliche Ausscheiden Ferdinand Freiligraths aus dem Buchprojekt Das malerische und romantische Westphalen literarisch spiegelte und andererseits von ihren Erfahrungen im münsterschen Literaturzirkel, der von ihr so genannten "Hecken-Schriftsteller-Gesellschaft" inspiriert war. Im Ergebnis entstand eine Satire auf den Literaturbetrieb ihrer Zeit, in der zahlreiche Personen ihres Umfeldes karikiert sind. Drostes Lustspiel steht in einer Linie mit Christian Dietrich Grabbes Literatursatire Scherz, Satire, Ironie, und tiefere Bedeutung (1827).

Empfohlener Textabdruck:
Annette von Droste-Hülshoff. Historisch-kritische Ausgabe. Bd. VI/1: Dramatische Versuche. Text. Bearb. von Stephan Berning. Tübingen 1982, S. 1-60.