Ausgabe 1844

Zeitbilder

Die Zeitbilder ist eine Gruppe von zehn Gedichten, in denen sich die Droste mit ihrer Gegenwart kritisch auseinandersetzt. Mit diesen Texten bezieht sie Position in den ideologischen Richtungskämpfen der Restaurationszeit. Es geht ihr allerdings weniger um die Behandlung aktueller politisch-gesellschaftlicher Probleme, vielmehr liegt ihr Interesse im Bereich der grundlegenden Fragen menschlicher Orientierung und menschlichen Verhaltens, im Bereich der Ethik des Individuums. Das Genre des Zeitgedichts war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine beliebte Form der politischen Gebrauchspoesie, das als Kampfmittel im täglichen Meinungsstreit sehr verbreitet war. Wenn die Droste diese Gattung aufgreift, bedeutet das auch eine Stellungnahme zum Schrifttum des Jungen Deutschland und den Ideen der politisch engagierten Vormärz-Dichter.

 Den größten Teil der Zeitbilder schrieb die Autorin im Meersburger Winter von Ende September 1841 bis Anfang Februar 1842. Die Gedichte Die Stadt und der Dom, Alte und neue Kinderzucht, Der Prediger und Die Verbannten entstanden nach ihrer Rückkehr nach Westfalen bis zum Mai 1843. Die exponierte Stellung der Zeitbilder zu Beginn des Gedichtbands geht auf den Vorschlag Levin Schückings zurück, der sich dadurch eine größere Aktualität erhoffte. Die Droste selbst hatte geplant, den Band durch die Gedichte Mein Beruf, Meine Todten und Katharine Schücking zu eröffnen, sich dann aber mit der Versetzung der Einleitungsgedichte in die Abteilung Gedichte vermischten Inhalts einverstanden erklärt.

 

An folgenden Stellen wurde der Text u.a. nach brieflichen Zeugnissen der Droste korrigiert:


Ungastlich oder nicht?
V. 50 lies Dem nicken ehrlich wir entgegen,
statt Dem nicken ehrlich wir entgegen.


Die Stadt und der Dom
V. 39 lies Du trügst den goldnen Schlüssel zu
statt Du trugst den goldnen Schlüssel

V. 105 lies Ob eures Babels Zinnenhaag
statt Ob eures Babels Zinnenhang

Der Prediger
V. 10 lies Wer war der Mann? - Ein Christ im ächten Gleise
statt Wer war der Mann? - Ein Geist im ächten Gleise,

An die Schriftstellerinnen in Deutschland und Frankreich
V. 48 lies Singt, aber zitternd, wie vom Weih' die Tauben
statt Singt, aber zitternd, wie vor'm Weih' die Tauben.

V. 50 lies Ihr wart die Zeugen wild bewegter Zeiten,
statt Ihr wart die Zeugen wild bewegter Zeiten,

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