Am vierten Sonntage nach h. drey Könige

Ev.: Von den Arbeitern im Weinberge

Ich kann nicht sagen:
"Keiner hat mich gedingt."
Wem soll ich klagen,
Wenn es mich niederzwingt
In meine schmählich selbstgeflochtnen Bande!
Vor Millionen hast du mich erwählt,
Mir unermeßnes Handgeld zugezählt
In deiner Taufe heil'gem Unterpfande.

Ich kann nicht sagen:
"Siehe, des Tages Last
Hab' ich getragen!"
Wenn nun, zu Duft erblaßt,
Mich meine matte Sonne will verlassen;
Mein Garten liegt ein übergrüntes Moor,
Und blendend steigt das Irrlicht draus empor,
Den Wandrer leitend in den Tod, den nassen.

Ich kann nicht sagen:
"Siehe, wer stand mir bei?
Ich mußte zagen;
Um mich die Wüstenei
Und das Getier, so nimmer dich erkennet."
O Gott, du hast zur Arbeit mir gesellt
Viel liebe Seelen, rings um mich gestellt,
Worin dein Name unauslöschlich brennet!

Ich kann nicht sagen:
"Sieh' deine Stimme sprach,
Ich mußte wagen,
Und meine Kraft zerbrach;
Was hast du meine Nahrung mir entzogen?"
Mein Gott, und liegt wohl tief es in der Brust,
Doch bin ich großer Kräfte mir bewußt,
Und in der Angst hab' ich mir selbst gelogen!

Ich muß verschwinden
Bis in die tiefste Kluft,
Zergehn in Winden
Wie einer Wolke Duft,
Wenn dein Gericht vor meinem Geist wird stehen;
Du hast mich über Vieles eingesetzt,
Und ganz verarmt erschein ich und zerfetzt,
Die Güter dein ließ ich zu Kot vergehen.

Nichts kann ich sagen,
Denn meine Hand ist leer.
Soll ich es wagen,
Gegen die Waagschal' schwer
Zu legen meiner Reue späte Triebe?
Und ist es nur wie des Ersatzes Spott,
Nichts hab' ich sonst, doch du, o milder Gott,
Du hast ein großes, großes Wort der Liebe!

 

 

 

 

Duft] Nebel, Dunst.