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Urte Stobbe:

Adel (in) der Literatur. Semantiken des ›Adligen‹ bei Eichendorff, Droste und Fontane. - Hannover: Wehrhahn 2019. 496 S.

Beschreibung

Im langen 19. Jahrhundert, dem sog. bürgerlichen Zeitalter, treten vermehrt Schriftsteller und Schriftstellerinnen aus der Sozialformation Adel in Erscheinung. Auffällig ist zudem, wie häufig die zentralen Figuren in Werken der sog. Höhenkammliteratur ebenfalls Adlige sind. Diese beiden Beobachtungen bilden den Ausgangspunkt für eine Neujustierung des Verhältnisses zwischen Adel und Literatur, womit sich auch eine Revision der bisherigen literaturwissenschaftlichen und historiographischen Wertungspraktiken im Zusammenhang mit Adel verbindet.


Ausgehend von der Annahme, dass man nicht adlig geboren sein muss, um über Adel zu schreiben, wurde exemplarisch am Beispiel von Joseph von Eichendorff, Annette von Droste-Hülshoff und Theodor Fontane untersucht, welche divergierenden Vorstellungen sich mit ›Adel‹ und ›Adligkeit‹ jeweils verbinden. Dies ist umso spannender, als sich mit Bourdieu die Frage stellen lässt, ob und inwiefern die soziale Herkunft des Autors bzw. der Autorin bei der Ausbildung bestimmter Präferenzen hinsichtlich der kontrovers diskutierten Adelsfrage eine Rolle spielt.

Inhalt

[gekürzt]

1 Einleitung (S. 11)

2 Schreiben über Adel (S. 35)
2.1 Adel und Resilienz. Widerstandskraft in Zeiten des Umbruchs (S. 35)
2.2 Soziologische Perspektiven (Reckwitz und Bourdieu) (S. 44)
2.3 ›Adel und Literatur‹: Versuch einer Typologie (S. 53)
2.3.1 Adlige Autorinszenierungen (S. 55)
2.3.2 Textgattungen und Themen (S. 59)
2.3.3 Zeitgenössische Rezeption im langen 19. Jahrhundert (S. 62)
2.3.4 Adel in der Literaturgeschichtsschreibung (S. 64)

4 Schreiben an der Grenze: Drostes Auseinandersetzung mit der adligen Herkunft (S. 193)
4.1 Droste als adlige Schriftstellerin (S. 193)
4.1.1 Bisherige Kanonisierung in der Literaturgeschichtsschreibung (S. 193)
4.1.2 Ein Zimmer für sich allein: Freiheit und familiärer Zwang (S. 204)
4.1.3 Als Schriftstellerin sichtbar werden und bleiben (S. 214)
4.2 Das alte Schloß: Eine (adels-)poetische Standortbestimmung (S. 226)
4.2.1 Semantisierung der Raumstruktur (S. 226)
4.2.2 Schauderhafte Grenzsituation: Zwischen ›Gehen‹ und ›Bleiben‹ (S. 234)
4.2.3 Das alte Schloß als selbstreflexives ›Adelsgedicht‹ (S. 244)
4.3 Drostes Balladen: Arbeit am (Adels-)Gedächtnis (S. 254)
4.3.1 Drostes Onkel August und Werner von Haxthausen (S. 254)
4.3.2 Gründe für die Beschäftigung mit Westfalen (S. 266)
4.3.3 Einordnung als historische Balladen und Schauerballaden (S. 273)
4.3.4 Der ›Geist‹ des Adels geht um (S. 277)
4.3.4.1 An der Schwelle zum Archiv: Das Fräulein von Rodenschild (S. 277)
4.3.4.2 Der Graue: Ein wehrhafter Hausgeist auf einer alten Burg (S. 288)
4.3.4.3 Anteilnahme zwischen Landadel und Untergebenen (S. 296)
4.3.4.4 Distanzierter Blick auf den historischen westfälischen Adel (S. 302)
4.4 Zwischenfazit (S. 307)

6 Fazit (S. 459)

7 Literaturverzeichnis (S. 465)
7.1 Primärliteratur (S. 465)
7.2 Sekundärliteratur (S. 466)
7.3 Internetquellen (S. 491)

8 Register (S. 493)