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Droste-Jahrbuch 7 (2007/08)

Jochen Grywatsch (Hrsg.): Raum. Ort. Topographien der Annette von Droste-Hülshoff. – Hannover: Wehrhahn 2009. 312 S.

Beschreibung

Mit Beiträgen von: Cornelia Blasberg, Heinrich Detering, Ulrich Gaier, Jochen Grywatsch, Lothar Köhn, Claudia Liebrand, Rüdiger Nutt-Kofoth, Ute Obhof, Ernst Ribbat, Franz Schwarzbauer, Mirjam Springer, Kirsten Wagner und Winfried Woesler

Rezensionen von: Jens Kloster, Marc Reichwein, Christina Riesenweber und Nils Rottschäfer

Das Topographische, der Bezug auf Räume und Orte, auf Regionen und Landschaften, hat seit einigen Jahren in unterschiedlichen Disziplinen – vor dem Hintergrund von Globalisierung, digitaler Revolution und tief greifender geopolitischer Veränderungen u.a. im Zusammenhang mit der Neuordnung Europas – neue Aufmerksamkeit erlangt. Dies weist deutliche Analogien zu der Zeit der Annette von Droste-Hülshoff auf, zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Spannungsfeld zwischen Revolution und Restauration, Biedermeier und Vormärz bestimmten Brüche, Einschnitte und Transformationen maßgeblich die Signatur einer Epoche, in der – hervorgerufen durch vielfältige politisch-territoriale und gesellschaftliche Veränderungen – Räume, Grenzen und Ordnungen einem raschen und ständigen Wandel unterzogen waren.
Das Werk Annette von Droste-Hülshoffs ist in signifikanter Weise gekennzeichnet von Bezügen zu Räumen, zu Orten und zu Landschaften. Dieser Befund steht auch am Anfang einer Rezeptionsgeschichte, die Droste plakative Zuschreibungen wie »Westfälische Heidenachtigall« und das Klischee einer weltfremden, konservativen Heimatdichterin einbrachte. Sie selbst hat sich in ihrem literarischen Werk und Briefkorpus in vielerlei Hinsicht räumlich orientiert, expliziert und verortet. Dies bezieht sich nicht allein auf die heimatliche Umgebung des Münsterlandes, sondern gleichermaßen auf diejenigen Regionen, die sich die Droste als Reisende erschlossen hat, wie z. B. die Bodenseeregion mit den Orten Meersburg und Eppishausen. In den Blickpunkt rücken die lyrischen Westfalen- und Bodenseebilder ebenso wie die landschaftsbezogenen Prosawerke und die Reiseschilderungen in ihren Briefen. Dabei haben ihre raum- und ortsbezogenen Texte eine zentrale Gemeinsamkeit: Sie stellen kaum einmal ein beschauliches, idyllisierend-affirmatives Landschaftsbild her, sondern es sind in ihnen stets die Brüche, die Irritationen und die Abgründe eingeschrieben.
Der vorliegende Band dokumentiert das Kolloquium »Raum. Ort. Topographien der Annette von Droste-Hülshoff«, das vom 17. bis 20. Mai 2007 in Meersburg stattfand. In vierzehn Beiträgen wurde den Repräsentationen, Motiven und Funktionen von Raum und Räumlichkeit in Leben und Werk der Annette von Droste-Hülshoff nachgegangen und deren Aneignung, Prägung und Wirksamkeit im Hinblick auf die Autorin umfassend neu konturiert.

Inhalt

Jochen Grywatsch: Topographien der AvDH. Zur Einführung (S. 7)

Kirsten Wagner: Raum Ort, Lage. Konzepte des Räumlichen (S. 25)

Heinrich Detering: Versteinter Äther, Aschenmeer. Metaphysische Landschaften in der Lyrik der AvDH (S. 41)

Jochen Grywatsch: Poetische Imagination und räumliche Struktur. Zu ener Poetologie desRaums bei AvDH (S. 69)

Mirjam Springer: Verbotene Räume. AvDHs Klänge aus dem Orient (S. 95)

Ulrich Gaier: [...] deiner Augen Nebelball. Sinn und Raum in Drostes Lyrik (S. 109)

Winfried Woesler: Und sicher zerflossen Raum und Zeit. Verortung und Entortung in der Lyrik der Droste (S. 129)

Claudia Liebrand: Odysseus auf dem Dorfe. Genre, Topographie und Intertextualität in Droste-Hülshoffs Judenbuche (S. 145)

Ernst Ribbat: Lebensräume, Todesorte und eine Inschrift. Zum topographischen Erzählen in Die Judenbuche (S. 163)

Franz Schwarzbauer: Bilder deiner wilden Phantasie. Sehnsuchts- und Schreckensorte in Drostes Tragödienfragment Bertha (S. 177)

Lothar Köhn: Ort, Nicht-Ort, Heterotopie in Brief und Verspepos der Droste (S. 197)

Cornelia Blasberg: Versprengter Tropen von der Quelle Rande. Zum Ort des Subjekts in den Briefen der AvDH (S. 215)

Rüdiger Nutt-Kofoth: Schreibräume, Landnahmen. AvDHs Manuskriptblätter (S. 243)

Ute Obhof: Joseph von Laßbergs Umgang mit literrischen und architektonischen Denkmälern des Mittelalters - ein Blick in den Spiegel des Bodensees und in den seiner Schwägerin AvDH (S. 275)

 

Anhang

Rezensionen
Andrea Geffers: Stimmen im Fluss. Waserfrau-Entwürfe von Autorinnen. Literarische Beiträge zum Geschlechterdiskurs von 1800-2000. Frankfurt 2007 (Christina Riesenweber) (S. 289)
aribert von Ostrowski: Droste (Second sight). Hg. von Jochen Grywatsch. Eine Ausstellung im Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde. Bielefeld 2007 (Marc Reichwein) (S. 291)
Wolfgang Behschnitt: Wanderungen mit der Wünschelrute. Landesbeschreibende Literaut und die vorgestellte Geographie Deutschlands und Dänemarks im 19. Jahrhundert. Würzburg 2006 (Nils Rottschäfer) (S. 295)
Erika Schellenberger-Diederich: Geopoetik. Studien zur Metaphorik des Gesteins in der Lyrik von Hölderlin bis Celan. Bielefeld 2006 (Jens Kloster) (S. 302)

Verzeichnis der Siglen (S. 309)
Mitarbeiterverzeichnis (S. 311)