Prosa

Als Prosaautorin trat Annette von Droste auf dem Literaturmarkt ihrer Zeit nur begrenzt in Erscheinung. Viele ihrer Arbeiten in diesem Genre kamen über den Fragmentstatus nicht hinaus. Das trifft auf ihren ersten Romanversuch Ledwina aus dem Jahr 1819 ebenso zu, wie auf den seit 1838 projektierten Westfalenroman Bei uns zu Lande auf dem Lande und die begonnene Kriminalgeschichte Joseph (1845). 

Einzig die Erzählung Die Judenbuche wurde fertiggestellt und 1842 im Morgenblatt für gebildete Leser veröffentlicht. Freilich war dieses Sittengemälde aus dem gebirgigten Westphalen zunächst gar nicht als Einzelveröffentlichung geplant, sondern bildete einen Teil des abgebrochenen Westfalenromans. Neben der Landschaftslyrik ist es insbesondere dieser Text, über den sich der heutige Weltruhm Drostes begründet. Die Judenbuche ist mehr als eine Milieustudie; sie ist gleichzeitig Kriminalgeschichte und Psychogramm, eine Geschichte, die durch ihre Mehrdeutigkeit letztlich die Wahrnehmung von Wirklichkeit grundsätzlich in Frage stellt. Dieser polyphone, ja widersprüchliche Text manifestiert eine tiefgreifende Erschütterung des Vertrauens in die Fähigkeit der Wahrnehmung von Wirklichkeit und deren sprachlicher Darstellung.

Ähnlich wie die Judenbuche ging auch der 1845 unter dem Titel Westphälische Schilderungen aus einer westphälischen Feder in den Historisch-politischen Blättern für das katholische Deutschland veröffentlichte Text aus den Vorarbeiten zum geplanten Westfalenroman hervor. Wieder war es Schücking, der die Droste zu einer Teilveröffentlichung gedrängt hatte.


Hinweis zur Textgrundlage

Auf diesen Seiten finden Sie Online-Editionen von Prosa-Werken von Annette von Droste-Hülshoff. Die Texte gehen in der Regel auf den Erstdruck zurück.

Die Kommentare orientieren sich an: Annette von Droste-Hülshoff. Historisch-kritische Ausgabe. Werke. Briefwechsel. Hrsg. von Winfried Woesler. Tübingen: Niemeyer 1978 - 2000.