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Drama

Die Gattung des Dramatischen war für Annette von Droste eher ein nebengeordnetes Betätigungsfeld, auf dem sie sich nur sporadisch und zeitweise versucht hat. Ihr bedeutendstes Werk in diesem Genre ist das 1840 entstandene Lustspiel Perdu! oder Dichter, Verleger und Blaustrümpfe, eine Satire auf den Literaturbetrieb ihrer Zeit, die erstmals aus dem Nachlass veröffentlicht wurde.

Skizze des Arbeitszimmers der Autorin Annette von Droste-Hülshoff im Haus Rüschhaus, © LWL-DLBW

Texte

 Alle anderen überlieferten und zu Lebzeiten unveröffentlicht gebliebenen Arbeiten datieren aus Drostes Jugendzeit. Als umfangreichstes Werk ist das unter dem Einfluss der deutschen Klassik geschriebene Trauerspiel Bertha oder die Alpen (1813/14) zu nennen, das, weit fortgeschritten (ca. 3900 Verse) , schließlich nicht zum Ende geführt wurde. Nur eine Manuskriptseite ist von dem Stück Hedwig und Sophie oder Verzweiflung und Rache (1812/13) erhalten. Daneben sind noch zwei Stegreifspiele überliefert: Das Räthsel (zwischen 1813 und 1820) sowie die Scenen aus Hülshoff  (1817).

Perdu! oder Dichter, Verleger und Blaustrümpfe

Schauspiel, entstanden zwischen September und November 1840, vor dem 12. November
Aus dem Nachlass; zu Lebzeiten unveröffentlicht

Nach dem Erscheinen der Gedichtausgabe von 1838 wandte sich Droste neuen Projekten zu. Zum ersten Mal erwähnt sie die Absicht, sich erneut mit der Gattung 'Drama' zu beschäftigen, im Januar 1839, wandte sich diesem Plan konkreter aber erst zu Beginn des Jahres 1840 zu, als das Geistliche Jahr zu einem vorläufigen Abschluss gebracht war. Dem Drängen der Haxthausischen Verwandten nachgebend, entschloss sie sich, ein Lustspiel zu schreiben. Ausführlich diskutierte sie ihre diesbezüglichen Überlegungen in Briefen an Christoph Bernhard Schlüter im April 1840, in denen sie auch ihre Lustspiel-›Theorie‹ entfaltete, nach der eine Orientierung an realen Personen ihres Umfeldes wesentlich war. Zum Stoff ihres Lustspiels wählte sie schließlich eine Handlung, die einerseits das unrühmliche Ausscheiden Ferdinand Freiligraths aus dem Buchprojekt Das malerische und romantische Westphalen literarisch spiegelte und andererseits von ihren Erfahrungen im münsterschen Literaturzirkel, der von ihr so genannten "Hecken-Schriftsteller-Gesellschaft" inspiriert war. Im Ergebnis entstand eine Satire auf den Literaturbetrieb ihrer Zeit, in der zahlreiche Personen ihres Umfeldes karikiert sind. Drostes Lustspiel steht in einer Linie mit Christian Dietrich Grabbes Literatursatire Scherz, Satire, Ironie, und tiefere Bedeutung (1827).

Empfohlener Textabdruck:
Annette von Droste-Hülshoff. Historisch-kritische Ausgabe. Bd. VI/1: Dramatische Versuche. Text. Bearb. von Stephan Berning. Tübingen 1982, S. 1-60.

Bertha oder die Alpen. Trauerspiel in drei Aufzügen

Aus dem Nachlass; zu Lebzeiten unveröffentlicht
Schauspiel, entstanden 1813/14, vielleicht 1815

An ihrem Trauerspiel Bertha arbeitete die Droste in den Jahren 1813 und 1814 und wurde dabei vermutlich von Anton Mathias Sprickmann betreut. Beeinflusst war die Arbeit durch intensive Klassiklektüre und -rezeption. Als Vorbilder können Goethes Natürliche Tochter oder Torquato Tasso und Schillers Räuber, Fiesko und Don Carlos gedient haben. Spätestens nach 1815 hat Droste das Trauerspielprojekt aufgegeben. Möglicherweise steht der Abbruch der Arbeit mit schweren Erkrankungen zu dieser Zeit in Verbindung.

Empfohlener Textabdruck:
Annette von Droste-Hülshoff. Historisch-kritische Ausgabe. Bd. VI/1: Dramatische Versuche. Text. Bearb. von Stephan Berning. Tübingen 1982, S. 61-224.

Hedwig und Sophie oder Verzweiflung und Rache

Aus dem Nachlass; zu Lebzeiten unveröffentlicht

Schauspielfragment (nur ein Blatt erhalten), entstanden zwischen Dezember 1812 und März 1813

Empfohlener Textabdruck:
Annette von Droste-Hülshoff. Historisch-kritische Ausgabe. Bd. VI/1: Dramatische Versuche. Text. Bearb. von Stephan Berning. Tübingen 1982, S. 227-231.

Das Räthsel oder Wie viele Pfund Freyer gehn auf 1 Pfund Nehmer

Aus dem Nachlass; zu Lebzeiten unveröffentlicht

Schaupielfragment; Entstehung unsicher, vermutlich zwischen 1813 und 1820

Empfohlener Textabdruck:
Annette von Droste-Hülshoff. Historisch-kritische Ausgabe. Bd. VI/1: Dramatische Versuche. Text. Bearb. von Stephan Berning. Tübingen 1982, S. 233-245.

Scenen aus Hülshoff

Aus dem Nachlass; zu Lebzeiten unveröffentlicht
Schauspiel, entstanden 1817

Über die Entstehung dieses kleinen Stegreifspiels berichtet die Droste rückblickend in einem Brief an Elise Rüdiger aus dem Jahr 1844:

»Der ›Hexe und Kokette‹ wegen, bin ich mir doch selbst schuldig Ihnen eine Erklärung zu geben, - ich habe dergleichen nie gesagt, aber einmahl des Reims wegen, bey einem dummen Spaße meinem Bruder in den Mund gelegt. - ich war damals 17 Jahr, und passionirt darauf in Knittelversen zu improvisiren, je dummer je besser. - so forderte einmahl, als ich mit meinen Eltern und Geschwistern ganz allein war, und einige am vorigen Tage in unserer Gesellschaft vorgekommenen komischen Einfälle besprochen wurden, meine Mutter mich auf, dies in Reime zu bringen, ich stellte mich gleich vor sie hin, und erregte durch meinen besonders geglückten Vortrag eine solche Lustigkeit, daß ich innehalten, Jenny Schreibzeug holen, und ich ihr in die Feder dicktiren mußte, - es wurde, wie Sie denken können, miserabel, amusirte aber, da es lauter bekannte Gegenstände betraf, doch alle sehr <...> Des Lachens war kein Ende, Jenny mußte den Wisch ›Scenen aus Hülshoff‹ überschreiben, und er sollte, der vielen Angegriffenen wegen, sehr geheim gehalten werden« (Droste-HKA, Bd. X, S. 128-130).

Empfohlener Textabdruck:
Annette von Droste-Hülshoff. Historisch-kritische Ausgabe. Bd. VI/1: Dramatische Versuche. Text. Bearb. von Stephan Berning. Tübingen 1982, S. 247-261.

Bild:
Skizze des Arbeitszimmers der Autorin Annette von Droste-Hülshoff im Haus Rüschhaus, © LWL-DLBW