Scenen aus Hülshoff

Über die Entstehung dieses kleinen Stegreifspiels berichtet die Droste rückblickend in einem Brief an Elise Rüdiger aus dem Jahr 1844:

Der ›Hexe und Kokette‹ wegen, bin ich mir doch selbst schuldig Ihnen eine Erklärung zu geben, - ich habe dergleichen nie gesagt, aber einmahl des Reims wegen, bey einem dummen Spaße meinem Bruder in den Mund gelegt. - ich war damals 17 Jahr, und passionirt darauf in Knittelversen zu improvisiren, je dummer je besser. - so forderte einmahl, als ich mit meinen Eltern und Geschwistern ganz allein war, und einige am vorigen Tage in unserer Gesellschaft vorgekommenen komischen Einfälle besprochen wurden, meine Mutter mich auf, dies in Reime zu bringen, ich stellte mich gleich vor sie hin, und erregte durch meinen besonders geglückten Vortrag eine solche Lustigkeit, daß ich innehalten, Jenny Schreibzeug holen, und ich ihr in die Feder dicktiren mußte, - es wurde, wie Sie denken können, miserabel, amusirte aber, da es lauter bekannte Gegenstände betraf, doch alle sehr <...> Des Lachens war kein Ende, Jenny mußte den Wisch ›Scenen aus Hülshoff‹ überschreiben, und er sollte, der vielen Angegriffenen wegen, sehr geheim gehalten werden (Droste-HKA, Bd. X, S. 128-130).

Empfohlener Textabdruck:
Annette von Droste-Hülshoff. Historisch-kritische Ausgabe. Bd. VI/1: Dramatische Versuche. Text. Bearb. von Stephan Berning. Tübingen 1982, S. 247-261.